So war es einmal ...
Presse von damals

1935

Großer Erfolg
Der „Dramatischen Vereinigung“
 

Die am Sonntag, dem  27. September 1935, von der „Dramatischen Vereinigung„ im Saale Lindscheidt veranstaltete Aufführung des drei­aktigen Schwanks „Fliegerliebchen“ von Theo Prang erzielte einen Bombenerfolg. Lange vor Beginn der Aufführung war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einigen, von der mitwirkenden Musikkapelle schneidig gespielten Musikstücken begrüßte der Spielleiter die Erschienenen. Der zur Verfügung stehende Raum gestattet es nicht, über den Inhalt des Stückes und die Aufführung desselben viel zu sagen. Das muß man gesehen und gehört haben! Kostümierung, Maske und Spiel waren vorzüglich! Ein toller Witz und eine komische Situation jagten die andere und entfesselten zwerchfellerschütternde Lachstürme. Einzelne Darsteller hervorzuheben geht nicht an, das hieße die anderen zurücksetzen!

Alle führten ihre Rolle mit Geschick durch und auch das Zusammenspiel ließ nichts zu wünschen übrig. Nach jedem Aktschluß und häufig sogar bei offener Szene spendeten die zahlreichen Zuschauer reichen Beifall. Am Schluß des letzten Aktes mußten die Spielerinnen und Spieler den stürmischen „Hervorrufen“ Folge leisten.

Die Zwischenpausen wurden durch Musikvorträge ausgefüllt. Mit herzlichen Worten dankte der Vorsitzende den Mitwirkenden und Gästen. Alle traten hochbefriedigt den Heimweg an. Die Wiederholung des Schwankes findet am Sonntag, dem 10. November statt, dank dem Entgegenkommen der „Großen Karnevalsgesellschaft Köln-Worringen“ welche auf die von ihr geplante Feier des „Elften im Elften„ am gleichen Tag Verzicht leistete!

 

1957 

„WO DAS HERZ DER HEIMAT SCHLÄGT“ 

Ein Theaterabend der „Dramatischen Vereinigung Köln-Worringen“
im April 1957 im Saale Lutz

Die „Dramatische Vereinigung“ führte an den beiden vergangenen Sonntagen im Saale Lutz das Schauspiel „Wo das Herz der Heimat schlägt“ von Karl Mertes auf. Darin war von menschlichem Glück und Versagen, von Sorgen und Nöten, wie die jeden von uns ankommen, die Rede. Der Spannungsbogen der sehr farbigen und starken Handlung reichte vom Alltag einer biederen Handwerkerfamilie über eine tragische Schuldverstrickung, Niedergang bis zum erlösenden, befreienden Glück. In dichter Folge rollte vor den Zuschauern eine Handlung ab, deren mit warmen Leben erfüllten Bilder das Herz öffneten und die das Geschehen auf der Bühne geradezu mitfühlen ließ.

Werner Pullems dramaturgischer Instinkt traf den Nagel mitten auf den Kopf: Er vermied alle billigen Effekte und inszenierte ein Spiel von pausenlosem Ablauf unter sorgfältigster Pflege des Wortes. Dabei standen ihm Mitwirkende von natürlicher Spielfreude und doch zuchtvollem Einfühlungsvermögen in ihren gewiß nicht einfachen Rollen zur Verfügung. Heinrich Peters als Schlossermeister war eine Charakterfigur voll Saft und Kraft, gültig und gekonnt, besonders in den Szenen als Kranker. Gerti Holzer scheint eine „Entdeckung“ für den Verein zu sein. Ihre Adoptivtochter Ilse faßte sie fein und behutsam auf. Ihr Spiel verriet echte Herztöne, welche die Zuschauer weckten. Die Mutter Anna wurde von Trudi Schlimgen packend und echt dargestellt. H. Gatzen als Sohn Heinz brachte mit echtem Komödiantenblut einen Hauch von Welt in die bürgerliche Enge des Handwerkerhauses.

Die übrigen Hauptpersonen des Spiels: H. Karis, E. Annas, H. Klein und W. Pullem fügten sich mit ihren mehr oder weniger großen Rollen ausgezeichnet in das Ensemble ein, der Familiengeschichte hier und da bunte Farbtupfen, ernste und heitere Noten gebend.

Lobend erwähnt werden müssen die wichtige Arbeit der Souffleuse Frau Peters, die Bühnengestaltung von H. Karis und H.W. Annas, sowie die Anlage der Beleuchtung von Robert Schneider.

 

FREUNDSCHAFTSTREFFEN DER HEIMISCHEN THEATERVEREINE
ANLÄßLICH DES 50-JÄHRIGEN BESTEHENS DES
DILETANTENKLUB „AURORA“ K.-WORRINGEN
IM JUNI 1957 IM SAALE MATHEISEN

Der Goldjubilar „AURORA“ hatte am vergangenen Sonntag die benachbarten Theatervereine „Immertreu“ Köln-Roggendorf/Thenhoven, „Edelweiss“ Stürzelberg, „Waldfriede“ Hackenbroich und den Worringer Bruderverein, die „Dramatische Vereinigung“ zu Gast, die alle ihre musischen Grüße und Glückwünsche darbrachten. Im Saale Matheisen erlebten die Zuschauer ein buntes Feuerwerk von heiterer und dramatischer Dichtung, vom Lustspiel bis zum packenden Drama.

Die „Dramatische„ präsentierte das Lustspiel „Robert und Bertram als Fußballspieler„. Mit musischem Zollstock wurde dabei Maß genommen der Zeit und den Zeitgenossen. Die Verwechselungskomödie, die zwei Vagabunden für einen Tag einen berühmten Fußballspieler und seine Haushälterin spielen läßt, bot immer wieder Anlaß zu handfester Komik, wobei sich dem Betrachter oft eine Bedeutung als Schein enthüllte, worüber er sich in innerer Freiheit erhebt, die dann das echte Lachen aus vollem Halse auslöst.

Um Robert Schneider als urwüchsigem Vollblutkomödiant und geborenem Spaßmacher Bertram, W. Annas als lustiger Kamerad Robert, deren herrliche Situationskomik immer wieder Lachsalven hervorriefen, agierten herzerfrischend und mit sichtlicher Freude am Spiel Annegret Miebach, Ursel Annas, K. Jansen und F.J. Jansen.

Es wurde flott und beschwingt gespielt unter Einsatz aller Mittel schlagfertigen Humors. Das Publikum ging begeistert mit und hatte seine helle Freude an der Spiellaune der Darsteller.

 

„PENSION SCHÖLLER„
12. UND 13. OKTOBER 1957 IM SAALE LUTZ

Mit dem Herbst ist auch die Theatersaison in unserem Heimatgebiet wieder angebrochen. Man hört von eifrigen Proben, vom Studium diverser Rollen und liest hier und da schon von wohlgelungenen Aufführungen unserer Spielscharen in Stadt und Land. Als unbefangener Gast bei den Veranstaltungen unserer heimischen Theatervereine muß man sich manchmal die Frage vorlegen, weshalb immer wieder versucht wird, heute noch mit Stücken Eindruck machen zu wollen, die vielleicht vor 50 oder mehr Jahren zweifellos ihre Wirkung auf die Zuschauer ausübten. „Die Rasenbank am Elterngrab„, „Der Wilddieb vom Kreuzerhof„ und „Das verstoßene Waisenkind aus Hintertupfing„ locken heute dem Betrachter nur noch ein mitleidiges Lächeln ab, und das mit Recht. Dem modernen Zeitgenossen bleibt beim Lesen dieser Aufführungstitel schon die Lust weg, das Stück zu sehen.

Wen wundert es da noch, wenn von der Krise der Theatervereine auf dem Lande gesprochen wird? Alte Klamotten, besonders eine gewisse Sorte von Rühr- und Tränenstücken gehören zum alten Eisen! Sicher will der Theaterbesucher auch einmal gepackt werden und erschüttert das Drama seines Helden auf der Bühne miterleben. In der Hauptsache aber will er unterhalten und nicht belastet werden. Dafür kommt er und besucht in alter Treue die Aufführungen seines Vereins. Getreu dem Wahlspruch „Ernst ist das Leben, heiter die Kunst„ hatten die Verantwortlichen der „Dramatischen„ einen guten Griff in das Schatzkästlein der deutschen Lustspiele getan und „Pension Schöller„ von Laufs und Jakobs auf ihr Programm gesetzt.

Am 12. Und 13. Oktober rollte das Lustspiel im leider nicht immer bis auf den letzten Platz besetzten Saal Lutz ab. Nachdem eingangs H. Klein die Freunde und Gäste des Vereins begrüßt hatte, öffnete sich der Vorhang zu einem Spiel, das von der ersten Szene an den bekannten zündenden Funken von der Bühne in den Zuschauerraum überspringen ließ.

Vielen ist das Stück vielleicht bekannt geworden als Film mit dem unvergessenen Komiker Ludwig Schmitz  in der Hauptrolle. Hier auf der Bühne wirkte es näher und mittelbarer, wie es die Leinwand nicht wiederzugeben vermag. Ja, man erlebte die tollen Verwechslungen und Überraschungen so mit, als ob man selbst daran beteiligt gewesen wäre.

Zum Inhalt
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Der mit seinem Anhang in Berlin weilende Gutsbesitzer Klapproth (Heinrich Peters) möchte hier gerne ein Amüsement besonderer Art haben. Sein Neffe (Wolfgang Annas) und der Maler Kissling (Ernst Annas) arrangieren einen Streich, indem sie ihm die Familienpension Schöller als Sanatorium für Geisteskranke vorführen. Die Pensionsgäste dünken dem guten Klapproth nun als Irre. Ergötzliche Situationen und komischste Szenen ergeben sich, als nacheinander eine Schriftstellerin mit „Tick„ (Gerti Pietschmann) , ein reicher Weltenbummler (Joh. Schmitz), ein polternder Major a.D. (Andreas Schwindt) und ein Schauspielschüler, der kein „L„ sprechen kann, vorgestellt werden. Die witzigen Dialoge und die Verwechslungen reihen sich in einem tollen Wirbel aneinander, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Auf sein Gut zurückkehrt, besuchen ihn nacheinander die Bekannten aus der Pension, die seiner Meinung nach aus dem Sanatorium entsprungenen „Irren„. Er sperrt sie ein und ruft den „Anstaltsdirektor„ Schöller (Heinz Klein), der nun Klapproth über die Komödie aufklärt.

Die Chargenrollen, flott und charmant gespielt, waren bei Käthe Peters, Ursel Annas, Marga Holzer, Gitta Pfeil, Meta Schmitz und Hans Gruben in besten Hände. Das Publikum ging mit und hatte seine helle Freude an der Spiellaune der Darsteller und der persiflierenden Komik des Stückes. Der Regisseur (Werner Pullem) inszenierte unter Einsatz aller Mittel schlagkräftiger Theatralik, umsichtig und mit Einfallsreichtum, indem er die Posse geschickt für die Möglichkeiten einer kleinen Bühne zuschnitt. Die Gestaltung des Bühnenbildes lag in den  bewährten Händen von Hans Karis, W. Annas und R. Schneider.

Berichte von Toni Jägers